
Bericht " Reisen mit dem " Brüderchen"
von Andreas , mit freundlicher Genehmigung
vom AUVC ( siehe Links)
Angefangen hat alles mit einem Besuch mit meinem DKW F 102
bei einem Clubmitglied in Nienburg , der mich fragte , warum
ich eigentlich keine Anhängerkupplung an meinem DKW hätte.
Der F 102 wäre doch der ideale Zugwagen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie darüber nachgedacht ,
denn ich war nie ein großer Campingfreund.
Trotzdem ging mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf,
schließlich wäre es doch ideal , bei den Reisen zu Club- und
Oldtimerveranstaltungen im eigenen Wohnwagen zu übernachten.
Als dann in der Club-Info noch eine Anhängerkupplung für
meinen F 102 angeboten wurde, habe ich nicht lange überlegt
und sofort zugeschlagen .
Ein Wohnwagen stand allerdings noch in weiter Ferne.

Gezielt danach gesucht hatte ich jedoch nicht, bis mir wieder
einmal der Zufall über den Weg lief.
Bei einer Ausfahrt in meiner Heimatstadt mit meinem
DKW Hobby-Roller sah ich aus einer Einfahrt das Heck eines
mir unbekannten Anhängers herausschauen, der sofort
meine Aufmerksamkeit erregte.
Mir war gleich klar, dass dies eindeutig ein Anhänger älteren
Baujahr war. Ich hielt an und bemerkte den Schriftzug
"Wohnwagen Scholz Brüderchen".
Der Wohnwagen stand in der Ecke einer Hofeinfahrt und
machte den Anschein , als ob er schon länger nicht mehr
bewegt worden wäre.
(Der Wohnwagen vorher)

Ich klingelte an der Haustür und wurde nach kurzer
Verhandlung mit dem Besitzer handelseinig.
Das "Brüderchen" wechselte für 50,-DM den Besitzer.
Ich brachte schnell meinen Roller nach Hause und holte
anschließend den Wohnwagen.
Schon nach kurzer Fahrt stellte ich fest , dass der
Achsbolzen verbogen war und einiges an Arbeit auf mich
warten würde.
Aber so schlimm könne es nicht werden , sagte ich mir.
Zu Hause angekommen wuchs dann die Ernüchterung, als ich
den Wohnwagen öffnete und mir ein starker Verfaulungsgeruch
entgegen schlug der sogar meine Nachbarn auf den Plan rief,
die mich nun für komplett verrückt erklärten.
Diese Meinung schloss sich auch schnell meine Frau an , die
darüber hinaus auch kategorisch ablehnte , ein neues Zelt
zu nähen.
Aber dieses Problem vertagte ich erst einmal und freute mich,
dass mit ein bisschen frischer Farbe alles wieder in den Griff
zu bekommen sein müsste.
Wenigstens schien inklusive Dachgestänge alles komplett zu sein.

An den folgenden Tagen nahm ich zusammen mit meinem
Vater den Aufbau ab und stellte fest, dass einige der hölzernen
Wände nicht mehr zu gebrauchen waren und erneuert werden
mussten.
Als der Aufbau dann demontiert war, beschlossen wir, auch
gleich die Bodenplatte, die ebenfalls etwas weich war, zu
erneuern.
Nun war der Wagen bis auf die letzte Schraube zerlegt und
die alten Teile konnten nur noch als Muster dienen.

Als erstes wurde die Achse instand gesetzt.
Dafür ließ ich einen neuen Achsschenkelbolzen drehen und
eine neue Felge hatte ein örtlicher Reifenfachhändler noch auf
Lager . Neue Reifen konnte er ebenfalls besorgen.
Hierbei handelt es sich um "Hochgeschwindigkeitsreifen"
der Firma Trelleborg , die eigentlich für Rasenmäher und
Schubkarrenreifen bekannt ist.
Da alle Blechteile des Aufbaus aus Aluminium bestehen, reichte
hier ein Abschleifen der alten Farbe und eine Neulackierung.
Alle Holzwände habe ich aus 8 mm Sperrholz neu gefertigt.
Original warwen 7 mm, diese Stärke konnte ich aber nicht mehr
bekommen.
Im folgenden Sommer war das "Brüderchen" wieder komplett
bis auf die Dachbahn, die aus Baumwollzellstoff besteht.
Viele Telefonate mit Sattlern und Planenherstellern erfolgte.
Aber keiner konnte mir die Zeltbahnen aus Baumwolle herstellen.
Es sah so aus, als wenn es nur noch die modernen PVC-beschichteten
Materialien gibt, die für mich aber nicht in Frage kamen, abgesehen
von den Preisen um die 4000,- DM für die Dachbahn und das Vorzelt.
Nach langen Suchen fand ich dann in der Nähe von Chemnitz
die ABC-Sattlerei , die mir eine Nachfertigung aus
Baumwollstoffen anbot.
Da die Sattlerei aber nicht nur nach den alten Mustern
fertigen wollte, sondern direkt am Objekt Maß zu nehmen gedachte,
führte mich die erste Ausfahrt in das 500 km entfernte
Lichtenau, wo eine neue Dachbahn und ein neues Vorzelt
entstanden und genau angepasst wurden.

Die Sattlerei hat eine hervorragende Arbeit geleistet und ich
war sehr zufrieden, als ich den Wohnwagen nach vier Wochen
das erste Mal komplett aufgebaut gesehen und ihn wieder
abgeholt habe.
Die neue Einrichtung wurde dann noch mit zwei neuen
Matratzen , die natürlich wieder speziell angefertigt werden
mussten, komplettiert und an einem sonnigen Aprilwochenende
nahm ich am Frühjahrstreffen des " Camping Oldie Club"
(siehe Links) am Biggesee teil.

Inzwischen haben wir viel Spaß mit unserem "Brüderchen"
gehabt.
Wochenend- und Urlaubsfahrten führten uns u.a. zum
Internationalen Auto Union-Treffen ( Bild oben ) nach
Ingolstadt oder nach Dänemark an die Nordsee.
Wir sind immer wieder begeistert , wie schnell unser
Wohnwagen aufzubauen ist und haben stets viele
Zuschauer zwischen all den modernen Wohnwagen.
2005 lautet unser Ziel Norwegen .
Über Zwischenstationen auf der Insel Fehmarn, in Dänemark und
in Schweden erreichten wir nach drei Tagen den wunderschönen
Campingplatz Rognstranda in Langgesund.
Nach 41 Jahren war dies für unser "Brüderchen"
auch eine Fahrt zurück in die Heimat ,
denn die Fa. Scholz in Köln war nur der Importeur des
norwegischen Hersteller Wiederoe , wo unser "Brüderchen" im
Jahre 1964 das Licht der Welt erblickt hatte.
-Andreas-
Zeitung Oppenheim zum Stadtfest 2008

Brüderchen - Zwerg mit Volumen Heft 4/1964 automobil illustrierte
Der Aufbau
Beim Reiseanhänger oder Caravan widerstrebt es mir eigentlich , von
einem "Aufbau" zu sprechen.
Dennoch muß ich es beim Brüderchen tun. Denn dieser Faltanhänger -
oder , wenn sie es so wollen , Klappwagen - ist im Normalzustand
ja während der Fahrt ein Kasten .

Nun , steigen wir ein in die Praxis.
Am Aufbauplatz angekommen , klappen wir den Hänger zunächst
oben auseinander.
Die Wohnfläche vergrößert sich in der Weiße, wie sie Breite plus
aufgelappte Deckelbreite ergeben .
Wir befestigen nun die vier Aufstellstützen. Sie verleihen dem Wagen
die erforderliche Stabilität . Dann kann der normale Aufbau beginnen.
Die Bug- und Heckwand stellt sich schon jetzt als starre , ganze
Fläche vor, die in der vollen Höhe und Breite aufgeklappt wird.
Die Seitenfläche, die später über die ganze Höhe und Breite mit
einer Zeltverspannung aufgedeckt werden, sind nur bis etwa zur
Rückenhöhe starr .
Bereits beim Aufbau bewundern wir , daß sowohl die Stirnwände
,die aus kochfest verleimten
norwegischen Sperrholz bestehen , als auch die doppelt
gezwirnte , schwere Zeltqualität keinerlei Abnutzungserscheinungen aufweisen.
Und gerade bei solchen Faltanhängern muß mit besonderst guten Qualitäten
gearbeitet werden, zumal hier die Verschleißquote doch wesentlich höher
liegt als etwa bei normalen starren Aufbauten.
Schon nach diesem, mit wenigen Handgriffen durchgeführten Aufbau
haben wir die komplette Wohnung in den Ausmaßen von 2,55 m Breite ,
2,04 m Länge sowie einer Stehhöhe von 1,85 m.
Jetzt erkennen wir an der Heckfläche, die zweigeteilte Stalltür.
Und im Bugteil zwei Fenster , die in die starren Flächen eingelassen sind .
Die Seitenwände besitzen aufstellbare Moskito-Fenster, mit denen
man in der warmen Jahreszeit eine angenehme Durchlüftung erzielt .
Durch das Aufklappen des Deckelteils entstanden auf beiden Seiten
Liegebänke, unter denen sich ein recht erheblicher Stauraum für
Wäsche und andere notwendige Utensilien anbietet.

- Das Brüderchen in voller Aktion. Hier mit einem VW 1200 -
Darüberwerden nun noch Betten eingehängt.
Das Brüderchen ist so zum normalen " Vierschläfer" geworden.
Im Bugteil finden wir dann noch den Küchenaufbau, der sich aus
einer festen Fläche , auf der der Kocher Platz findet, und einem offenem
Teil , der durch einem Vorhang verdeckt ist,zusammensetzt .
Ein beweglicher Tisch , hübsche Gardienen und kleine , dem
persönlichen Geschmack angepaßte Extras vervollkommnen die
Einrichtung. Das brüderchen ist so die angenehme, leicht zu
befördernde Wohnsatt.
Die elektrische Ausrüstung
Je nach Wunsch wird die normale Lichtausrüstung auf sechs oder
zwölf Volt erweitert.
Die Rück- und Bremsleuchten sind sehr groß dimensioniert.
Sie ergeben im Verkehr eine gute Lichtquelle.
Für die Innenbeleuchtung bietet sich einmal die Beleuchtung
vom Auto-Akku her an. Es kann natürlich auch eine Propan_Leuchte
oder Kezenlicht verwendet werden.
Zusätzliche Eigenschaften
Unser Brüderchen ist als Nachläufer recht niedrig.
Wenn es der Zugwagen erlaubt, kann es auch mit einem eingebauten
Bootsträger für ein starres Boot ausgerüstet werden.
Es ergibt sich für uns so die Möglichkeit , oben auf dem Kofferdeckel
ein leichtes Fest- oder Polyesterboot zu befördern .
Obwohl der Gepäck- bzw. Stauraum recht voluminös ist ,
kann der Faltanhänger auch mit einer Gepäckbrücke für sperrige
Güter ausgerüstet werden.
Zum einem erscheint diese Reglung für die alljährliche Urlaubsfahrt
recht günstig , zum anderen wird es so möglich den Faltanhänger
auch im Beruf auszunutzen.
Aus dem Reiseanhänger Brüderchen wird so ein richtiges
Gepäck- bzw. Bootsbefördermittel .

Gesamturteil
Das Brüderchen ist ein ausgesprochen praktisches Stück für all jene ,
die aufgrund der geringen Zugkraft des eigenen Wagens keinen großen
Reiseanhänger benutzen können .
Viele Camper und Touristen ziehen den Faltanhänger einem
großen Caravan vor , zumal er allein schon den gestellten Anforderungen
genügt.

Das Brüderchen mit kalten Füßen...........
Auch beim Caravaning im Winter - beim Reisen an die verschneiten
Alpenpässe etc. - stellt dieswer praktische , raumsparende
Wohnanhänger seine Qualität unter Beweis.

6500 km mit dem "Brüderchen "
ein Bericht aus der CAMPING , Illustriertre Zeitschrift
für den Zelt und Caravansport , Reisen ,Wandern , Motortouristik.
Als wir in Kiel auf auf die " Kronprinz Harald" fuheren , stellte der
Ladeoffizier schmunzelnd fest , daß er bei der Herfahrt eine Menge dieser
Anhänger von Norwegen herübergebracht hatte und wir hätten ihn sicherlich
besser gleich in Oslo übernehmen sollen , daß wäre doch
bestimmt billiger gewesen .
Damit wäre unserer Hänger schon fast vorgestellt.
Beim Brüderchen handelt es sich um einen nowegischen Import , einen
Faltanhänger , der in Deutschland in überraschender großer Stückzahl
gefahren wird .
Der norwegische Hersteller versicherte uns , daß er mehr Anhänger nach
Deutschland exportiert als in Norwegen verkauft und das obwohl er in Norwegen
der poulärste Hänger ist .
Was ist der Grund , daß der Faltwohnwagen in Deutschland einen
solchen Erfolg hat , wo sich erwiesenermaßen alles was zu klappen
und falten ist , an Wohnanhänger nicht durchgesetzt hat ?
Denn Grund konnten wir auf unserer Reise sehr genau
herausfinden.
Zuerst einmal erhebt das Brüderchen nicht den Anspruch , ein kompletter
Wohnanhänger zu sein mit Isolation , mit festen Einbauten
und dergleichen .
(Fortsetzung folgt )
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